Rachel Carson: Eine Inspiration für Greta Thunberg?

01 April, 2020
Die Bücher von Rachel Carson über die Gefahren von Pestiziden markierten den Beginn der modernen Umweltbewegung und inspirieren auch weiterhin neue Generationen.

Die Biologin und Schriftstellerin Rachel Carson ist eine der bedeutendsten Naturschützerinnen der Geschichte und gilt als “Mutter” des modernen Umweltschutzes. Dies liegt daran, dass ihre Schriften über die Gefahren von Pestiziden den Beginn der heutigen Umweltbewegung markierten.

Ihre Prosa weckte das Umweltbewusstsein in der amerikanischen Bevölkerung und trug entscheidend zu den beispiellosen nationalen Maßnahmen bei, um die Natur vor der chemischen Zerstörung zu schützen.

Die Auswirkung ihrer Arbeit ist auf die Verwendung einer klaren und einfachen Sprache zurückzuführen, die für den durchschnittlichen Leser leicht zu verstehen ist.

Rachel Carson: Kindheit, Bildung und familiäres Umfeld

Rachel Carson wurde am 27. Mai 1907 auf einer Farm in Springdale, Pennsylvania, USA geboren. Sie war das jüngste von drei Kindern des Ehepaars Robert und Maria McLean Carson.

Durch den mütterlichen Einfluss entwickelte sie ihre Liebe zur Natur. Daher begann sie bereits im Alter von 10 Jahren als öffentliche Autorin für Kindermagazine zu schreiben.

Sie besuchte das Pennsylvania College for Women (heute Chatham University), das sie 1929 mit magna cum laude abschloss. Danach studierte sie am Ozeanographischen Institut in Woods Hole, Massachusetts, und an der Johns Hopkins University, wo sie 1932 einen Master in Zoologie erhielt.

Rachel Carson

Finanzielle Schwierigkeiten zwangen sie, die Bemühungen um einen Doktortitel aufzugeben, um ihre Mutter und später zwei verwaiste Nichten zu unterstützen. Später, nachdem eine Nichte Anfang 1957 starb, adoptierte Carson deren Sohn und zog nach Silver Spring, Maryland, um sich um ihre Mutter zu kümmern.

Beginn ihrer schriftlichen Arbeit

Nachdem sie in der “American-Civil-Service”-Prüfung alle anderen Bewerber übertroffen hatte, wurde Carson 1936 die zweite Frau, die vom United States Bureau of Fisheries eingestellt wurde.

Dort war sie für 15 Jahre tätig und schrieb Broschüren und andere Materialien für die Öffentlichkeit. Außerdem wurde sie zur Chefredakteurin aller Veröffentlichungen des United States Fish and Wildlife Service befördert.

In der Zwischenzeit schrieb sie mehrere beliebte Bücher über das Leben im Wasser, darunter Under the Sea Wind (1941) und The Sea Around Us (1951). Letzteres wurde im New Yorker als Serie veröffentlicht und weltweit gut verkauft.

Diese Bücher stellten eine Biographie des Ozeans dar. Sie machten Carson als naturalistische und wissenschaftliche Schriftstellerin berühmt, deren Werke auch für die Öffentlichkeit verständlich waren.

Außerdem gewann sie einen nationalen Preis für einen wissenschaftlichen Artikel, ein Guggenheim-Stipendium, das ihr neben dem Verkauf ihrer Bücher auch die finanzielle Unabhängigkeit brachte.

Anschließend beendete Rachel ihre Tätigkeit für die Regierung und zog 1953 nach Southport Island, Maine, um sich auf das Schreiben zu konzentrieren.

“Dann breitete sich eine seltene Plage über den Ort aus und alles begann sich zu verändern. (…) Es herrschte eine seltsame Stille. (…) Die wenigen Vögel, die zu sehen waren, lagen im Sterben; sie zitterten heftig und konnten nicht fliegen. Es war ein Frühling ohne Stimmen” – Auszug aus Der stumme Frühling (Silent Spring).

Das Meisterwerk von Rachel Carson

Der stumme Frühling ist eines jener ungewöhnlichen Bücher, die Geschichte schrieben. Und dies nicht etwa aufgrund der Provokation durch Krieg oder Gewalt, sondern dadurch, dass es die Richtung des menschlichen Denkens verändert hat.

Das Buch konzentriert sich in erster Linie auf die Auswirkungen von Pestiziden auf Ökosysteme. Allerdings werden in vier Kapiteln auch deren Auswirkungen auf den Menschen (einschließlich Krebs) detailliert beschrieben.

Mit diesem Buch stellte die schüchterne Autorin die Praktiken der Agrarwissenschaftler und der Regierung in Frage. Außerdem forderte sie eine Änderung der Sichtweise der Menschheit auf die Natur.

Ihr Buch, das die Gefahren chemischer Pestizide beschreibt, führte zu einem nationalen Verbot von DDT und anderen Pestiziden. Gleichzeitig löste es eine Bewegung aus, die schließlich zur Gründung der amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA) führte.

Die chemische Industrie beschuldigte sie daraufhin, Fehlinformationen zu verbreiten. Die Chemieunternehmen versuchten, sie zu diskreditieren, indem sie sie als kommunistisch und hysterisch bezeichneten.

Carson sagte 1963 sogar vor dem Kongress aus, um eine neue Politik zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt zu fordern.

Silent Spring von Rachel Carson

Der stumme Frühling (Originaltitel: Silent Spring) steht auf der Liste der 100 wichtigsten wissenschaftlichen Bücher des 20. Jahrhunderts. In diesem Buch kann man die Hochachtung spüren, die die Autorin vor dem Leben hatte.

Eine heimliche Liebe?

1955 begann sie eine Beziehung mit Dorothy Freeman. Für die Außenwelt waren die beiden Frauen enge Freunde. Freeman, damals etwa 50 Jahre alt, war verheiratet und hatte Kinder. Sie bemühte sich, die Art ihrer Beziehung zu verbergen.

Obwohl man einen Großteil ihrer Briefe kurz vor Carsons Tod vernichtete, wurde der Rest 1995 von Freemans Enkelin mit dem Titel “Immer, Rachel: Die Briefe von Rachel Carson und Dorothy Freeman, 1952-1964: Ein intimes Porträt einer bemerkenswerten Freundschaft” veröffentlicht.

Der Brustkrebs, die Auszeichnungen und das Vermächtnis

Schwer an Brustkrebs erkrankt, starb Carson zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres Buches. Später, im Jahr 1980, wurde ihr posthum die Freiheitsmedaille des Präsidenten verliehen. Ihre Häuser gelten als nationale historische Wahrzeichen und mehrere Auszeichnungen tragen inzwischen ihren Namen.

Sieben Jahre später, im Jahr 1970, gründete der amerikanische Kongress die Umweltschutzbehörde. Dies war eine direkte Folge der Umweltbewegung, die durch Der stumme Frühling ausgelöst wurde.

Amerikanische Umweltschutzbehörde
Quelle: Union of Concerned Scientists

Zwei Jahre später, im Jahr 1972, verbot die Regierung DDT. Dieses Pestizid hatte dazu beigetragen, das nationale Symbol der Vereinigten Staaten, den Weißkopfseeadler und andere Vögel an den Rand der Ausrottung zu bringen.

Ihr Zeugnis über die Schönheit und Unversehrtheit des Lebens inspiriert auch weiterhin neue Generationen, die lebende Welt und alle ihre Geschöpfe zu schützen. Deshalb glauben einige, dass Rachel Carson eine der großen Figuren sein könnte, die junge Menschen wie Greta Thunberg inspiriert haben.