Wie verarbeiten Hunde unsere Wörter?

23 April, 2020
Bei vielen Gelegenheiten scheint es, dass Hunde verstehen, was wir ihnen sagen. Eine wissenschaftliche Studie hat dies genauer untersucht.
 

Eine neue Studie befasst sich mit den Gehirnmechanismen, mit denen Hunde Wörter, die wir zu ihnen sagen, unterscheiden und verarbeiten.

Bei vielen Gelegenheiten scheint es, dass Hunde verstehen, was wir ihnen sagen. Aber wie genau verarbeiten Hunde diese Wörter?

Die Ergebnisse einer neuen Studie legen nahe, dass Hunde zumindest eine rudimentäre neuronale Repräsentation der Bedeutung der Wörter haben, die ihnen beigebracht wurden.

Die Studie legt auch nahe, dass Hunde zwischen Wörtern unterscheiden, die sie zuvor gehört haben, und solchen, die sie nicht kennen. Die Studie wurde Mitte Oktober 2018 in der Zeitschrift Frontiers in Neuroscience veröffentlicht.

Sie wurde von Wissenschaftlern der Emory University (USA) durchgeführt. Es handelt sich um eine der ersten Studien, die Gehirnbildgebung verwendet, um zu testen, wie Hunde die von ihnen erlernten Wörter verarbeiten und sie mit Objekten in Verbindung bringen.

Wie Hunde Wörter verarbeiten

Die Forscher nennen als Beispiel einen Hund, der aufgeregt wird und sogar zu einem Fenster rennt, wenn er das Wort “Eichhörnchen” hört.

Was bedeutet dieses Wort für den Hund? Bedeutet es “aufpassen, es passiert etwas”? Oder ruft der Hund wirklich das Bild des Eichhörnchens in seinem Kopf ab?

Die Forscher erklären, dass viele Hundebesitzer denken, dass ihre Hunde wissen, was einige Wörter bedeuten. Allerdings gibt es bisher keine wissenschaftlichen Belege, die diese Annahme unterstützen.

Daher haben sie eine wissenschaftliche Studie durchgeführt, um valide und vergleichbare Daten zu erhalten.

 

In diesem Sinne erkennen die Forscher die Tatsache an, dass Hunde zumindest einige Aspekte der menschlichen Sprache verarbeiten können. Es ist bereits bekannt, dass sie lernen können, verbalen Befehlen zu folgen.

Frühere Forschungen legten nahe, dass Hunde andere Signale verwenden könnten, um einem verbalen Befehl zu folgen. Sie verwenden Blicke, Gesten und sogar die emotionalen Ausdrucksformen ihrer Besitzer. Es war also interessant zu sehen, inwieweit Hunde Wörter verstehen können.

Die Forscher konzentrierten sich auf die Gehirnmechanismen, die Hunde verwenden, um zwischen Wörtern zu unterscheiden. Darüber hinaus wollten sie herausfinden, welche Bedeutung ein Wort für einen Hund tatsächlich hat.

Hund in einem MRT

Zur Durchführung dieser Studie war es notwendig, trainierte Hunde einzusetzen, da sie freiwillig in einen funktionellen Kernspintomographen (MRT) gehen und während des Scannens unbeweglich bleiben sollten.

Darüber hinaus musste diese Untersuchung ohne Sedierung und andere Einschränkungen erfolgen.

Magnetresonanzstudie bei Hunden

Für diese Studie wurden 12 Hunde verschiedener Rassen trainiert, um zwei verschiedene Objekte basierend auf den Namen der Objekte zu holen.

 

Man benutzte ein Objekt mit einer weichen Textur (ein Stofftier) und ein anderes mit einer anderen Textur (Gummi), um die Tests zu erleichtern.

Das Training bestand darin, die Hunde anzuweisen, nach einem der Objekte zu suchen und sie dann mit einer Leckerei oder Lob zu belohnen.

Das Training wurde als abgeschlossen betrachtet, wenn ein Hund zeigte, dass er zwischen den beiden Objekten unterscheiden konnte. Er konnte dann das vom Besitzer angeforderte Objekt aussuchen, wenn ihm beide Objekte präsentiert wurden.

Während des Experiments legte sich der trainierte Hund in das MRT und sein Besitzer stand direkt vor ihm an der Öffnung des Gerätes. Dann nannte der Besitzer in festgelegten Abständen die Namen der Spielsachen des Hundes.

Er zeigte dem Hund dann die entsprechenden Spielsachen. Zur Kontrolle sprach der Besitzer erfundene Wörter aus und zeigte dann neue Objekte wie einen Hut oder eine Puppe.

Die Ergebnisse zeigten eine stärkere Aktivierung in den Hörregionen des Gehirns für die erfundenen Wörter als für die gelernten Wörter.

Die Forscher sahen sich in ihrer Annahme bestätigt. Hunde können zwischen Wörtern, die sie kennen, und Wörtern, die sie nicht kennen, unterscheiden.

Allerdings waren sie von der Feststellung überrascht, dass die neuronale Aktivierung bei Hunden bei unbekannten Wörtern stärker war als bei ihnen bekannten Wörtern. Beim Menschen ist genau das Gegenteil der Fall.

Frau flüstert ihrem Hund ins Ohr
 

Die Forscher stellen die Hypothese auf, dass Hunde eine stärkere neuronale Aktivierung für ein neues Wort zeigen könnten, weil sie der Meinung sind, dass ihre Besitzer möchten, dass sie verstehen, was sie sagen und dies dann versuchen.

Letztendlich wollen Hunde ihren Besitzern gehorchen, da sie Lob oder Nahrung dafür erhalten”, sagen die Forscher.

Hunde reagieren auf Wörter

Die Hälfte der Hunde im Experiment zeigte bei unbekannten Wörtern eine stärkere Aktivierung in ihrem parieto-temporalen Kortex.

Das ist ein Bereich des Gehirns, von dem Forscher glauben, dass er dem Gyrus angularis des Menschen entsprechen könnte, in welchem lexikalische Unterschiede verarbeitet werden.

Die andere Hälfte der Hunde zeigte jedoch bei neuen Wörtern eine stärkere Aktivität in anderen Regionen des Gehirns. Einschließlich der anderen Teile des linken temporalen Kortex und der Amygdala, des Nucleus caudatus und des Thalamus.

Diese Unterschiede könnten mit der Einschränkung der Studie zusammenhängen. Außerdem wurden bei der Studie verschiedene Hunderassen getestet. Auch die Größe der Hunde und die möglichen Schwankungen ihrer kognitiven Fähigkeiten könnten eine Rolle gespielt haben.

Demzufolge stellten die Forscher fest, dass die unterschiedlichen Formen und Größen des Gehirns von Hunden bei allen Hunderassen eine große Herausforderung bei der Erfassung der kognitiven Prozesse des Hundehirns darstellen.

In diesem Zusammenhang sagen die Forscher, dass Hunde unterschiedliche Fähigkeiten und Motivationen haben, um menschliche Wörter zu lernen und zu verstehen.

 

Aber … “Sie scheinen eine neuronale Repräsentation der Bedeutung der ihnen gelehrten Wörter zu haben. Diese geht viel weiter und ist nicht nur eine oberflächliche Pawlowsche Reaktion.”

Dies bedeutet nicht, dass gesprochene Wörter die effektivste Möglichkeit für einen Besitzer sind, mit seinem Hund zu kommunizieren.

Tatsächlich zeigte eine andere Studie, die von demselben Team durchgeführt wurde, dass das neuronale Belohnungssystem von Hunden eher auf visuelle und olfaktorische Signale als auf verbale reagiert.