Notfallmedizin für Kleintiere: Primär- und Sekundärversorgung

11 März, 2021
Es ist nicht immer einfach, ein Haustier zum Tierarzt zu bringen. Daher möchten wir dir heute mehr über Notfallmedizin für Kleintiere erzählen und dir erklären, worum es bei der Primär- und Sekundärversorgung geht.

Wenn es um Kleintiere geht, sind auch hier alle Stadien der Notfallmedizin erforderlich, um den kritisch erkrankten Patienten erfolgreich zu behandeln. Sobald die Triage und die Ersteinschätzung abgeschlossen sind, sind die nächsten Schritte die Primär- und Sekundärversorgung.

Wenn die Triage die Einteilung des Patienten nach klinischen Prioritäten ermöglicht, kann bei der Ersteinschätzung die Stabilität des Patienten genauer bestimmt werden. So ist es in der Notfallmedizin möglich, zu entscheiden, wie mit jedem unmittelbaren Problem, das das Leben des Tieres bedroht, umgegangen werden soll.

Doch wie geht es weiter, wenn diese Grundlagen gelegt sind? Weißt du, woraus die Phasen der Primär- und Sekundärversorgung in einer tierärztlichen Notfallklinik bestehen? Lies im Folgenden weiter und erfahre mehr.

Notfallmedizin für Kleintiere: Primär- und Sekundärversorgung

Während der Erstuntersuchung beurteilt der Tierarzt das Atmungssystem, das Herz-Kreislauf-System, das Zentralnervensystem und das Harnsystem des Tieres. Auf diese Weise kann er den Patienten als stabil oder instabil einstufen. Davon ausgehend setzt sich der Prozess der Notfallversorgung fort.

Notfallmedizin für Haustiere: Die Primärversorgung

Bei der Erstversorgung beurteilt der Tierarzt praktisch die gleichen physischen Parameter wie in der vorherigen Phase, nur in einer umfassenderen Weise. Nachfolgend erfährst du, welches die wichtigsten Parameter sind, die überwacht werden müssen.

Beurteilung der Atmung

Die Beurteilung des Atmungssystems umfasst die Sicherstellung der ordnungsgemäßen Funktion der oberen Atemwege, der Farbe der Atemwegsschleimhaut und anderer Parameter. Daher ist es in diesem Stadium vermutlich am wichtigsten, die Häufigkeit, den Rhythmus und die Anstrengung beim Atmen zu bewerten.

Die Luftröhre und alle Bereiche des Brustkorbs sollten sorgfältig abgehört werden. Eine Pulsoximetrie – ein Gerät, das den Sauerstoffgehalt im Blut misst – könnte ebenfalls erforderlich sein.

Eine Hypoxie kann zu systemischen Problemen führen, da verhindert wird, dass ausreichend Sauerstoff in das Gewebe gelangt. Daher ist im Falle einer Hypoxie, also eines Sauerstoffmangels, eine sofortige Korrektur erforderlich.

Während der Erstuntersuchung beurteilen Tierärzte das Atmungssystem, das Herz-Kreislauf-System, das Zentralnervensystem und das Harnsystem des Tieres

Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems

Die Bewertung der Gewebedurchblutung des Tieres umfasst die folgenden Prozesse:

  • Bewertung der Schleimhautfarbe
  • Kapillarfüllungszeit – ein Test, der den Kreislauf- und Dehydratisierungszustand bewertet
  • Körpertemperatur
  • Das Abhören des Herzens
  • Abtasten der Frequenz, des Rhythmus und der Qualität des Pulses in der Peripherie – in den Venen der Extremitäten, des Halses, des Kopfes oder des Schwanzes

Die Anzeichen für eine schlechte Gewebedurchblutung sind folgende:

  • Blasse oder bläuliche Schleimhäute
  • Eine verlängerte oder zu schnelle Kapillarfüllungszeit
  • Abnormitäten in der Herzfrequenz oder im Rhythmus

Jedes dieser Anzeichen rechtfertigt die Notwendigkeit, schnell nach der zugrunde liegenden Ursache zu suchen, um über die erforderliche Behandlung zu entscheiden.

Bewertung des Zentralnervensystems

Extreme Veränderungen im Verhalten des Tieres wie Stupor, Koma oder sogar Krampfanfälle erfordern eine schnelle Suche nach der zugrunde liegenden Ursache. Außerdem entscheidet die schnelle Einleitung einer Behandlung meist darüber, ob das Tier überleben oder sterben wird.

Es gibt viele Faktoren, die eine Funktionsstörung des Zentralnervensystems verursachen, einschließlich länger andauernder epileptischer Anfälle oder Hypoglykämie. Sie können irreversible Schäden verursachen, wenn sie nicht schnell behandelt werden. Daher ist es notwendig, die Symptome dieser Krankheiten schnell zu identifizieren.

In ähnlicher Weise verursacht ein erhöhter Hirndruck unter anderem Stupor oder Koma. Dieser Anstieg kann auf zahlreiche Ursachen zurückzuführen sein; einige konventionelle wie ein Schlag oder ein Hämatom und andere schwerwiegendere, wie beispielsweise ein Tumor oder eine Infektion. Dementsprechend erfordern sie eine umfangreichere Diagnose.

Die sekundäre oder spezialisierte Versorgung für Haustiere

Sobald die Triage und Ersteinschätzung abgeschlossen sind und das Tier eine Erstversorgung erhalten hat, ist es an der Zeit, die Notwendigkeit einer weiteren tierärztlichen Versorgung zu beurteilen. Sobald sich die Bedingungen, die das Tier in unmittelbare Todesgefahr gebracht haben, stabilisiert haben, kann die sekundäre Versorgung fortgesetzt werden.

Diese Phase beinhaltet bereits eine vollständige und gründliche Untersuchung. Zunächst ist es notwendig, eine detaillierte Anamnese des Tieres zu erheben, was in der Verantwortung des Besitzers liegt. Es wird empfohlen, dass alle Tierbesitzer alle wichtigen Daten über die Gesundheit ihres Tieres aufzeichnen.

Darüber hinaus sind eine vollständige körperliche Untersuchung, eine Bewertung des Ansprechens auf die Ersttherapie und alle anderen diagnostischen Befunde unerlässlich. An dieser Stelle kann es ratsam sein, auf die bildgebende Diagnose durch Röntgenstrahlen, Ultraschall oder einen einschlägigen Labortest zurückzugreifen.

In dieser Phase können Fachleute einen vollständigen Diagnose- und Therapieplan erstellen und eine Einschätzung der Prognose und der Kosten für die Konsultation formulieren.

Sobald die Erstversorgung stattgefunden hat, ist es Zeit für spezifischere Tests

Die Bedeutung einer schrittweisen Vorgehensweise in der Notfallmedizin

Zusammenfassend stellt die Erstversorgung die Identifizierung und sofortige Behandlung lebensbedrohlicher Erkrankungen sicher. Diese Phase ermöglicht auch die Identifizierung instabiler Patienten, was eine ordnungsgemäße Überwachung und die Vorbeugung von Folgeproblemen ermöglicht.

Sobald die Erstversorgung stattgefunden hat, ist es Zeit für spezifischere Tests. Der Patient befindet sich im Prinzip nicht mehr in unmittelbarer Gefahr. Daher können Tests durchgeführt werden, die mehr Zeit und Aufwand erfordern. Infolgedessen ermöglichen die Primär- und Sekundärversorgung die Behebung des gesundheitlichen Notfalls.

  • King L, Boag A. BSAVA manual of canine and feline emergency and critical care. 2nd ed.