Veterinärimmunologie: Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten

27 Juni, 2020
Veterinärimmunologie ist ein Fachgebiet, das sich mit viralen, bakteriellen und parasitären Erkrankungen beschäftigt. Außerdem befassen sich diese Experten mit zoonotischen Krankeiten, welche von Tieren auf den Menschen übertragen werden können. Alles Wissenswerte zu diesem interessanten Thema.
 

Wenn du den Begriff Veterinärimmunologie hörst, denkst du vielleicht an die Allergien deines Haustieres. Oder vielleicht kommen dir Erkrankungen wie Arthritis in den Sinn.

Obwohl sich dieses Forschungsgebiet grundsätzlich mit allen Aspekten der Tiergesundheit beschäftigt, liegt der Hauptfokus dennoch auf der Diagnose, Vorbeugung, Behandlung und Kontrolle von Infektions- und Autoimmunerkrankungen.

Aber es geht nicht nur um Haustiere. Veterinäre, die in diesem Fachgebiet tätig sind, arbeiten auch mit Nutztieren, Wildtieren und sogar mit Versuchstieren aus der wissenschaftlichen Forschung.

Momentan sind Begriffe wie “Immunsystem”, “Impfungen” und “Prävalenz” praktisch in aller Munde.  Allerdings wissen viele Menschen gar nicht, dass es auch in der Veterinärmedizin einen eigenen Fachbereich gibt, der sich nur mit dieser Thematik beschäftigt: die Veterinärimmunologie. Wir sagen dir heute, worum es hierbei genau geht.

Veterinärimmunologie - Stoffhund mit einer Spritze

Impfstoffe – ein Produkt der Veterinärimmunologie

Die Ausbreitung von Erkrankungen bei Tieren stellt eine Gefahr für die Tiere selbst und auch für die öffentliche Gesundheit dar. Seit ihrer Entdeckung sind Impfstoffe ein entscheidender Faktor bei der Kontrolle verschiedener infektiöser Tierkrankheiten.

 

Zwei Beispiele hierfür sind Influenza A und die Schweinegrippe. Beides sind zoonotische Erkrankungen, mit denen sich auch der Mensch infizieren kann.

Für die Entwicklung einer effektiven Impfstrategie müssen verschiedene Faktoren wie die Qualität des Impfstoffes und die Art der Anwendung beachtet werden. Darüber hinaus muss auch die Wirksamkeit der Impfungen genau kontrolliert werden, beispielsweise indem das Blut auf das Vorhandensein von Antikörpern untersucht wird.

Die Veterinärimmunologie beschäftigt sich mit all diesen Themen und arbeitet außerdem an der Entwicklung neuer Impfstoffe und untersucht die Wirkung von Adjuvantien auf frühere Immunisierungen.

Veterinärimmunologie - lächelndes Schwein

Veterinärimmunologie bei Haustieren und Nutztieren

Das Immunsystem von Tieren nutzt verschiedene Mechanismen, um den Körper zu schützen. Zuerst einmal gibt es das angeborene Immunsystem. Es umfasst alle Aspekte, die bereits vor einer Infektion vorhanden sind:

  • Physische Barrieren wie Haut und Schleimhäute.
  • Moleküle im Blut wie das Komplementsystem.
  • Phagozyten, die schädliche Zellen oder Bakterien beseitigen.
  • Zytokine. Das sind Proteine (beispielsweise Interferone), die sich im Blut befinden und die Immunantwort steuern.
 

Außerdem gibt es noch das adaptive Immunsystem, welches aus den Mechanismen besteht, die durch eine Infektion induziert oder stimuliert werden. Daher reagieren diese Mechanismen spezifisch auf die jeweilige Infektion. Und aus diesem Grund sind Impfungen auch so effektiv, um den Körper vor möglichen Infektionen zu schützen.

Impfstoffe setzen das Immunsystem einer abgeschwächten oder deaktivierten Form einer Infektion aus. Der Körper des Tieres ist dann in der Lage, diese Infektion zu erkennen und zu bekämpfen, ohne dass er die Infektion tatsächlich durchlaufen muss.

Auf dem Gebiet der Diagnostik befasst sich die Veterinärimmunologie mit dem Nachweis von Krankheitserregern wie Viren, Bakterien und Parasiten mittels der Serologie. Darüber hinaus entwickeln diese Fachleute neue diagnostische Verfahren und bestimmen mit Hilfe von Laborprozessen die Wirksamkeit bestimmter Antibiotika.

Veterinärimmunologie - Nahaufnahme einer Kuh

Immunologie ist für Tiere in jeder Lebensphase von entscheidender Bedeutung

Kleine Abweichungen des Immunsystems können für junge Tiere den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Wiederkäuer werden beispielsweise ohne Antikörper geboren, weil die Plazenta verhindert, dass sie vom Blut der Mutter übertragen werden. Daher sind diese Jungtiere auf die lgA-Antikörper angewiesen, die sie aus dem Kolostrum, also der Muttermilch, erhalten.

 

Immunerkrankungen

Manchmal kann auch die Immunantwort selber nachteilige Auswirkungen haben. Beispiele hierfür sind Allergien, Infektionen wie Arthritis, Caprine Arthritis-Enzephalitis und Staupe.

Die moderne Biotechnologie und unser besseres Verständnis des Immunsystems haben die Entwicklung sehr effektiver Impfstoffe ermöglicht. Und wie die Coronavirus-Pandemie gezeigt hat, könnte die Identifikation und die Kontrolle dieser Krankheitserreger bei Wildtieren entscheidend dafür sein, wie wir zukünftige Virusausbrüche bewältigen werden.

 
  • Charley, B. (1996). The immunology of domestic animals: its present and future. Veterinary immunology and immunopathology, 54(1-4), 3-6.
  • Schmitt, B., & Henderson, L. (2005). Diagnostic tools for animal diseases. Revue scientifique et technique-Office international des épizooties, 24(1), 243.