Das Stillen bei Hunden: Wichtige Fakten und Tipps

29 Dezember, 2020
Das Stillen bei Hunden ist eine sehr wichtige Phase, in der der Welpe viel mehr als nur Milch erhält. Finde heraus, auf was du in dieser Zeit achten musst.

Das Stillen bei Hunden ist ein Thema, das nicht sehr häufig behandelt wird. Natürlich haben sich die Hunde über sehr lange Zeit ohne menschliche Hilfe fortgepflanzt.

Trotzdem ist es wichtig, rechtzeitig genaue Informationen zu erhalten, wenn es um die Pflege unserer vierbeinigen Freunde geht.

Im Folgenden findest du einige wichtige Tipps, damit du dich besser um die Welpen kümmern kannst, die bald kommen werden (oder bereits gekommen sind).

1. Das Stillen ist die erste Impfung, die ein Säugetier erhält

Der Darm ist nicht nur wegen seiner Aufgabe in der Ernährung wichtig, sondern weil er das größte Organ des Immunsystems von Säugetieren ist. Etwa 70 % des Immunsystems des Körpers befinden sich im Verdauungstrakt.

Daher ist die Zusammenarbeit zwischen dem Lymphgewebe des Darms und den Substanzen der Muttermilch der Schlüssel zum Schutz vor Infektionen bei Neugeborenen.

2. Bei der Geburt hat der Darm noch nicht die volle Organreife erreicht

Während des gesamten Lebens bietet die Darmwand allen Säugetieren einen einzigartigen Schutz. Die Darmwand wirkt als physische Barriere, die den Eintritt von Schadstoffen und infektiösen Krankheitserregern verhindert.

Bei Neugeborenen ist diese Schutzwand noch nicht vollständig ausgebildet. Das hat einen Vorteil: Die in der Muttermilch enthaltenen Substanzen überwinden diese Barriere und kommen dem Säugling zugute.

In der Tat “spendet” die Mutter dem Baby eine Population weißer Zellen aus ihrem eigenen Blut, die das Baby während seiner ersten Lebenstage kontrollieren und schützen.

Die Muttermilch liefert auch Antikörper und andere mikrobizide Substanzen, die die Gesundheit des Babys gewährleisten.

Hunde beim Stillen

3. Das Kolostrum ist wichtig für die Gesundheit des Welpen

Der Ausfluss aus den Brustwarzen am ersten Tag nach der Geburt wird als “Kolostrum” bezeichnet. Das Kolostrum ist reich an Wachstumsfaktoren, die das unreife Immunsystem des Welpen stärken.

Außerdem hilft es, ein Gleichgewicht der Bakterien herzustellen, die den Darm des Welpen besiedeln werden. Die nützlichen Bakterien fördern die Nährstoffaufnahme und reduzieren gleichzeitig das Auftreten von Infektionen, Durchfall und Darmentzündungen.

Die Etablierung einer “guten” Mikroflora im Darm bewirkt auch das Reifen der Zellen der Darmwand und der Barrierefunktion. Bei Untersuchungen hat man festgestellt, dass Kolostrum das Immunsystem stärkt und die Mikroflora des Darms bei Welpen formt.

4. Das Stillen bei Hunden ist der Schlüssel zur Neutralisierung von Krankheitserregern

Eine der Schutzfunktionen des Darms ist die Beseitigung von Krankheitserregern und das Neutralisieren von Toxinen. Diese Funktionen hängen im Allgemeinen mit der Wirkung von Antikörpern des Typs IgA zusammen, die Krankheitserreger erkennen und sie beseitigen.

Die Muttermilch ist das Sekret mit dem höchsten Anteil an IgA. Die Bindung von IgA an Krankheitserreger verhindert deren Anhaftung an der Oberfläche der Darmschleimhaut und damit eine Infektion durch Bakterien, Viren und Parasiten.

5. Die Muttermilch enthält und fördert das Wachstum von probiotischen Bakterien

Eine vielfältige Gruppe von milchsäureproduzierenden Bakterien, bekannt als Laktobazillen, wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Welpen aus. Der Nutzen von Lactobacillus-Probiotika wird während der Stillzeit generiert, bleibt aber auch nach dem Abstillen bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Es ist nachgewiesen, dass Probiotika die Häufigkeit, Schwere und Dauer von Durchfall verringern. Die Muttermilch enthält Zucker, den der Darm nicht verdauen kann. Dieser Zucker wird von den Lactobacillus-Bakterien verwendet, die sich so im Darm des Säuglings vermehren.

Labrador mit Welpen

6. Das Stillen bei Hunden: Die Dauer kann variieren

Der Schlüssel, um bei der Entwöhnung keinen Fehler zu machen, ist eine gute Beobachtung. Berücksichtige dabei zwei Faktoren: die Rasse deines Hundes und seine Wachstumsrate.

Es versteht sich von selbst, dass jeder Wurf anders ist. Denn bei einem Wurf von acht Welpen ist es wahrscheinlicher, dass zusätzliches Futter benötigt wird als bei einem Wurf von drei Welpen. Wenn auch nur, um der Mutter eine Pause zu gönnen.

Im Allgemeinen erfolgt die Entwöhnung bei kleineren Hunderassen im Alter von etwa 5 Wochen. Ein Welpe in gutem Zustand sollte verspielt und energiegeladen sein und ein dichtes, glänzendes Fell haben. Ein brauner Kot ist ein Zeichen dafür, dass dein Welpe die Nährstoffe gut verdaut.

Eine letzte Empfehlung: Du solltest die Trennung des Wurfes von der Mutter nicht überstürzen. Denn auch nach der Entwöhnung lernen Hunde viele wichtige Lektionen von ihrer Mutter und ihren Geschwistern. Diese Lektionen umfassen Bisskontrolle, das Erkennen des eigenen Platzes im Rudel und das Spielen mit Artgenossen.

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