Verhaltensänderungen nach der Kastration deines Hundes

24 November, 2020
Eine Kastration wird die potenziellen Verhaltensprobleme deines Haustieres nicht lösen. Gleichzeitig können jedoch bestimmte Verhaltensweisen durch diesen Eingriff abnehmen.

Das Verhalten deines Hundes nach der Kastration wird sich mehr oder weniger stark verändern. Dabei gilt es zu beachten, dass sowohl Rüden als auch Hündinnen sofort oder im Laufe der Zeit Verhaltensänderungen aufzeigen können.

Unter einer Kastration versteht man die Entfernung der Geschlechtsdrüsen eines Tieres – bei Rüden nur die Hoden und bei Hündinnen sowohl die Eierstöcke als auch die Gebärmutter. Neben der Bildung von Geschlechtszellen setzen die Geschlechtsdrüsen auch Hormone frei. Diese Hormone erfüllen verschiedene Funktionen im Körper, von denen eine die Entwicklung des Sexualverhaltens ist. Es umfasst beispielsweise die Suche nach einem Partner oder die elterliche Fürsorge.

Schmerzen nach der Kastration

Die erste merkliche Veränderung bei Hunden nach der Kastration ist das mit Schmerzen verbundene Verhalten. Wenn ein Hund aus der Narkose aufwacht, verspürt er unterschiedlich starke Schmerzen, je nach dem vom Tierarzt verwendeten Narkosemittel. Es ist äußerst wichtig darüber Bescheid zu wissen, da Hunde bestimmte Ängste entwickeln können, aber auch, weil es sich um ein körperliches Trauma handelt. Zum Beispiel lassen sie sich von uns nicht anfassen, oder dein Hund könnte versuchen, dich zu beißen. Diese Verhaltensweisen verschwinden normalerweise aber wieder.

Andererseits empfehlen Tierärzte in der Regel, dass der Hund eine Halskrause trägt, die ihn daran hindert, die Wunde zu lecken. Dies ist eine weitere negative Auswirkung auf den Hund, die er als Herausforderung empfinden könnte, wenn er seine Emotionen nicht kontrollieren kann.

Eine Halskrause hindert, den Hund an seiner Wunde zu lecken

Sexualhormone bei Hunden

Um die Auswirkungen zu verstehen, die die durch die Kastration unterdrückte Freisetzung von Sexualhormonen auf das Verhalten des Hundes hat, müssen wir zunächst die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse kennenlernen.

Der Hypothalamus synthetisiert und setzt ein Hormon namens Gonadoliberin frei. Es wirkt auf die Hypophyse und bewirkt, dass Gonadotropine, luteinisierendes Hormon (LH) und follikelstimulierendes Hormon (FSH) freigesetzt werden. Die beiden letzteren wirken hauptsächlich in den Hoden oder Eierstöcken und bewirken bei Rüden die Freisetzung von Testosteron und bei Hündinnen Progesteron und Östrogen. LH und FSH stimulieren ebenfalls die Spermien- und Eizellenproduktion.

Testosteron hat vielfältige Wirkungen auf den Körper eines Rüden, insbesondere während der embryologischen Entwicklung und der Pubertät:

  • Es beeinflusst die sexuelle Reaktion der Hündin.
  • Es kann mit dem Spiel der Welpen zusammenhängen, das bei Rüden aggressiver ist.
  • In der Pubertät fördert es die Entwicklung von Muskeln, Knochen, Nieren und Kehlkopf.
  • Während des Embryonenwachstums entwickeln sich die Gehirnstrukturen und die neuronalen Kerne männlicher, was später zu einem männlichem Verhalten führt. Das Fehlen von Testosteron bei Hündinnen während der perinatalen Periode führt zur Entwicklung des weiblichen Zentralnervensystem.
Während sie läufig sind, können Hündinnen wie Rüden urinieren

Andererseits wirken weibliche Hormone wie folgt:

  • Östrogen erhöht die allgemeine Aktivität der Hündin; sie ist aktiver, lauter und neigt dazu, häufiger zu urinieren.
  • Während der Läufigkeit, wenn Östrogen in größeren Mengen vorkommt, können einige Hündinnen wie Rüden urinieren und sie sind für den Geschlechtsverkehr empfänglich.
  • Ein hoher Progesteronspiegel nach der Läufigkeit bereitet die Hündin auf die Trächtigkeit vor. Wenn sie jedoch keinen Geschlechtsverkehr hatte, kann es möglicherweise zu einer Scheinschwangerschaft kommen.

Verhaltensänderungen bei Hunden nach der Kastration

Wenn die Geschlechtsdrüsen entfernt werden, sinkt die Konzentration der Sexualhormone, was aber nicht abrupt geschieht. So verringert sich das Paarungsverhalten bei Rüden innerhalb von 15 Tagen nach der Kastration um nur 50 %. Gleichzeitig nimmt das Verhalten bei der Suche nach einer Hündin mit 80 % am stärksten ab.

Bei Hündinnen wiederum kann das mit Schutz oder Eifersucht verbundene Verhalten abnehmen. In einigen Fällen kann nach der Sterilisation jedoch eine Scheinschwangerschaft auftreten.

Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Verhaltensprobleme wie Aggressivität gegenüber anderen Tieren oder Menschen oder ein Fehlverhalten in Bezug auf Angst oder Trennungsangst nicht verschwinden werden. Dies liegt daran, dass es sich bei diesen Hormonen nicht um Sexualhormone, sondern um Cortisol, Serotonin oder Dopamin handelt.

In der Praxis löst die Kastration nicht alle Verhaltensprobleme. Diese können sich jedoch auch ändern lassen, wenn du hart daran arbeitest, dich deinem Hund zuwendest und ihm Zuneigung zeigst. Die Kastration trägt jedoch dazu bei, bestimmte Krankheiten wie Tumore, sowohl bei Rüden als auch bei Hündinnen, zu verhindern oder zu vermeiden.

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