Ansteckene Blutarmut der Lachse

15 November, 2019
Verantwortlich für die ansteckende Blutarmut der Lachse, die in Zuchtstätten vorkommt, ist ein Virus.

Über die Krankheit, mit der wir uns heute beschäftigen, wurde zum ersten Mal in den achtziger Jahren berichtet. Heutzutage kann die ansteckende Blutarmut bei Lachsen eine Sterblichkeitsrate von fast 90 Prozent in Zuchtstätten auslösen. In diesem Artikel geben wir dir mehr Details über den verantwortlichen Organismus, die Symptomatik und die Diagnose.

Geschichte der ansteckenden Blutarmut bei Lachsen

Mitte der achtziger Jahre bemerkte man in Norwegen die ersten Fälle einer bis dahin unbekannten Erkrankung. Die betroffenen Tiere gehörten alle derselben Spezies an: Salmo salar, die sogenannten Atlantiklachse.

Aufgrund der Symptome, die sie auslöste, nannte man die Krankheit zuerst das blutende Nierensyndrom. Nachdem man weitere Fälle diagnostizierte und der Auslöser bekannt wurde, taufte man sie auf ISA um, was die englischen Initialen für Infectious Salmon Anemia (ansteckende Blutarmut der Lachse) sind.

Mit dem Lauf der Zeit berichteten auch andere Länder über Ausbrüche dieser Krankheit: Kanada, Schottland, USA oder die Färöer Inseln. Ein gemeinsamer Nennen bei all diesen Fällen war, dass die befallenen Tiere gezüchtete Exemplare aus Salzwasserfarmen waren, was in vielen Fällen einen schweren wirtschaftlichen Verlust darstellte.

Lachsfarm

Welches sind die Ursachen?

Der Auslöser dieser Krankheit ist ein Virus. Gemeinhin kennt man ihn unter dem Namen Virus der infektiösen Lachsanämie oder ISAV (Infectious Salmon Anemia Virus). Biologisch gesehen gehört er zur Familie  Orthomyxoviridae. Diese Gruppe von Viren, zu der auch der Auslöser der Grippe gehört, befällt nur Wirbeltiere.

Wird eine Infektion nicht rechtzeitig erkannt, dann ist die Sterblichkeit, die durch den IISAV ausgelöst wird, sehr hoch. Zu Beginn zeigten die Sterblichkeitsverzeichnisse nur 1 Prozent, doch kontrolliert man sie nicht, so wurde aus einigen Zuchtstätten von einer Sterblichkeitsrate von fast 90 Prozent binnen Monaten berichtet.

Abgesehen vom atlantischen Lachs gibt es auch Berichte von Fällen bei anderen Spezies, die im Wasser leben, wie beispielsweise dem Silberlachs (Oncorhynchus kisutch) oder der Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss). Für den Menschen ist der Virus harmlos.

Lachs mit ansteckender Blutarmut

Symptome und Verbreitung der ansteckenden Blutarmut bei Lachsen

Es gibt eine Reihe von Symptomen, die darauf hinweisen, dass ein Tier an ISAV erkrankt ist. Zu den häufigsten zählen:

  • Verdunklung der Haut
  • Lethargie
  • Blutungen an den Augen
  • Intensive Blutarmut, die dazu führt, dass die Kiemen eine blasse Färbung haben
  • Bei einigen Exemplaren werden die Milz und die Leber sehr groß.

Eine der wichtigsten Herausforderungen dieser Krankheit ist es, die Ansteckung zu kontrollieren. Befindet sich der Virus erst einmal in einem Teich, so stecken sich die Tiere sehr schnell daran an. Er kann sich auch auf andere Tanke weiterverbreiten, doch dieser Prozess ist etwas langsamer.

Wilder Lachs springt den Fluss hoch

Gibt es eine effektive Behandlung für die ansteckende Blutarmut bei Lachsen?

Da es sich um einen Virus handelt, sind die pharmakologischen und veterinärmedizinischen Maßnahmen eingeschränkt. Deshalb beinhalten die besten Behandlungen eine Reihe von Maßnahmen bezüglich der Biokontrolle, kombiniert mit strenger Hygiene und Desinfektion der Zuchtstätten. Damit erreicht man, dass der Virus weniger häufig vorkommt.

Dazu verwendet man spezielle Sanitärprodukte für die Teiche, die Maschinen und das Personal, das mit den Lachsen in Kontakt tritt. Bemerkt man die Krankheit, so muss man die betroffenen Tiere schnell entfernen. Deshalb ist eine der besten Präventivmaßnahmen, sowohl die Zuchstätten als auch die Teiche ausreichend zu trennen, damit der Virus sich nicht verbreiten kann.

Trotz allem haben einige Lachszüchter Millionverluste erlitten, weshalb die ansteckende Blutarmut bei Lachsen in den letzten Jahren die Lachsindustrie sehr alarmiert hat.

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