Schwertschnabelkolibri: Nachteile der morphologischen Spezialisierung

Während die meisten Kolibris ihren Schnabel benutzen, um sich zu putzen, hat der Schwertschnabelkolibri einen so langen Schnabel, dass er stattdessen seine Füße benutzen muss. Dies ist einer der Aspekte, die auf seine hohe morphologische Spezialisierung zurückzuführen sind.
Schwertschnabelkolibri: Nachteile der morphologischen Spezialisierung

Letzte Aktualisierung: 17 April, 2021

Der Schwertschnabelkolibri (Ensifera ensifera) ist eines der erstaunlichsten Beispiele für die Evolution zwischen einer Blume und ihrem Bestäuber. Im Rahmen von Studien über die Bestäubung sind die Länge der Zunge des Insekts und des Schnabels des bestäubenden Vogels im Allgemeinen die wichtigsten Merkmale.

Interessanterweise ist ein klassisches Beispiel für diese Co-Evolution Darwins Orchidee (Angraecum sesquipedale). Im Jahr 1862 beschrieb Darwin diese wunderschöne Blume in einer seiner Studien. Das wichtigste Detail der Orchidee ist ihr langer Sporn, der zwischen 20 und 33 Zentimeter lang sein kann.

Darwin vermutete damals, dass es einen Schmetterling mit einem Rüssel geben müsse, der an der Unterseite des Sporns Nektar abgeben kann. Vierzig Jahre später wurde der Schmetterling aus der Familie der Sphingidae mit der entsprechend großen Zunge (Xanthopan morganii praedicta) dann auch in Madagaskar entdeckt. In unserem heutige Artikel werden wir dir mehr über den Schwertschnabelkolibri und die Blüten erzählen, die er bestäubt.

Wie sieht der Schwertschnabelkolibri aus?

Der Schwertschnabelkolibri ist eine der größten Kolibriarten. Eines seiner bemerkenswertesten Merkmale ist sein ungewöhnlich langer Schnabel, der etwa 10 Zentimeter lang ist. Tatsächlich ist er der einzige Vogel mit einem Schnabel, der länger ist als der Rest seines Körpers (ohne Schwanz). Auch seine Zunge ist ebenfalls sehr lang.

Der Schwertschnabelkolibri (Ensifera ensifera), hat einen ausgeprägten Sexualdimorphismus. Die Männchen haben einen bronzefarbenen Kopf, einen bronzegrünen Rücken und einen hellgrünen Bauch. Außerdem ist ihre Kehle schwärzlich-grün und der Schwanz ist bronze-grün gefärbt.

Obwohl die Weibchen einen ähnlich gefärbten Kopf und Rücken haben, ist ihr Bauch weiß und hat grüne Sprenkel. Darüber hinaus haben die Weibchen eine mehr olivfarbene Kehle und gräulich-weiße Ränder um den Schwanz.

Schwertschnabelkolibri - Foto

Der Schwertschnabelkolibri und seine geografische Verbreitung

Dieser exotische Vogel bewohnt Nebelwälder in den Bergen, die sich vom Westen Venezuelas über Kolumbien, Ecuador, Peru bis hin zum nordöstlichen Bolivien erstrecken. Er lebt in Höhenlagen von 1.700 Metern bis zu 3.300 Metern über dem Meeresspiegel.

Dieser Vogel ist ein ganzjähriger Bewohner der Anden, ohne bekannte Migrationsrouten. Darüber hinaus gilt die Art als stabil in Bezug auf die Größe der Population und sie beherrscht ein großes geografisches Gebiet. Allerdings ist der Schwertschnabelkolibri in dieser Region ungleichmäßig verteilt und daher auch sehr schwer zu finden, was die Erforschung der Art komplex macht.

Nahrung und Ernährungsgewohnheiten

Der Schwertschnabelkolibri ist eine hochspezialisierte Art. Das bedeutet, dass er sich vom Nektar ganz bestimmter Pflanzen ernährt. Aufgrund seines ungewöhnlich langen Schnabels kann er sich von Blüten mit langen Blumenkronen ernähren, vor allem aus der Familie der Passionsblumen (Passiflora) und Stechäpfel (Datura).

Es sei darauf hingewiesen, dass die artenreiche Gattung der Passiflora in Bezug auf die Bestäubung vollständig vom Schwertschnabelkolibri abhängig ist. Darüber hinaus sind auch kleine Insekten und Spinnen ein wichtiger Teil der Ernährung dieser Vögel. Die Männchen wachen über ihre Futterplätze und sind besonders aggressiv gegenüber anderen Kolibris oder anderen nektarproduzierenden Arten wie beispielsweise Schmetterlinge, Hummeln usw.

Der Schwertschnabelkolibri trinkt den Nektar normalerweise während des Fluges. Er besucht auch die gleichen Blüten in der gleichen Reihenfolge. Daher trägt sein Verhalten zu einer effektiven Blütenbestäubung und zur Kreuzung der Arten bei.

Fortpflanzung

Schwertschnabelkolibris sind polygam, da dieses Verhalten einen erhöhten Fortpflanzungserfolg fördert. Im Allgemeinen weiß man aber sehr wenig über die Anzahl der Nachkommen und deren Überlebensrate. Allerdings ist bekannt, dass die Weibchen ihre Eier normalerweise zwischen Februar und März ablegen. Außerdem bleibt nur das Weibchen zur Fütterung und zum Schutz des Nestes bei den Jungtieren.

Der Schwertschnabelkolibri und die Passionsblume: Die Entwicklung ihrer symbiotischen Beziehung

In mehreren Studien wurde festgestellt, dass dieser Vogel und die Passionsblume einen besonderen gemeinsamen Evolutionsprozess durchliefen. Der Schwertschnabelkolibri entwickelte währenddessen einen sehr außergewöhnlichen Schnabel. Bei der Pflanze hingegen führte dies zu einer speziellen Position der Antheren und Sigmen sowie einer sehr langen Korolla-Röhre, wodurch die Passiflora für fast alle Arten zu einer unzugänglichen Nahrungsquelle wurde – außer für den Schwertschnabelkolibri.

Die symbiotische Beziehung zwischen den beiden führt dazu, dass die Passionsblume bei der Bestäubung auf den Schwertschnabelkolibri angewiesen ist, während der Vogel im Gegenzug eine hochwertige und exklusive Nahrungsquelle erhält.

Die Asymmetrie bei hoher Spezialisierung

Interessanterweise ist bei den meisten Studien zur Spezialisierung bei extremer Bestäubung die Interaktion zwischen Pflanze und Bestäuber asymmetrisch. Das bedeutet, dass die Pflanze oft nur von wenigen Bestäubern abhängig ist, während die Bestäuber mit mehreren Pflanzen interagieren. Obwohl es nicht so scheinen mag, ist dies dennoch für beide Seiten von Vorteil.

Im Fall von Darwins Orchidee und ihrem bestäubenden Schmetterling hingegen schätzte Darwin das Verhältnis auf etwa 1:1. Außerdem prognostizierte der Wissenschaftler, dass das Aussterben eines Partners in dieser Beziehung zum Aussterben des anderen führen würde.

Infolgedessen werden alle schädlichen Auswirkungen, die die Interaktionen zwischen Blume und Pflanzen-Bestäuber betreffen, zuerst in speziellen Beziehungen wie dieser sichtbar werden.

Wenn die Beziehungen zwischen Pflanze und Bestäuber asymmetrisch sind, könnten die Bestäuber also besser vor dem Aussterben geschützt werden, wenn sie sich vom Nektar verschiedener Pflanzen ernährten.

Schwertschnabelkolibri - Nahaufnahme

Aktuelle Situation und Erhaltungszustand der Art

Der Schwertschnabelkolibri wird von der International Union for Conservation of Nature (auf Deutsch: Internationale Union zur Bewahrung der Natur) als “minor concern” (auf Deutsch: geringfügige Bedenken) eingestuft. Es gibt keine Anzeichen für einen Bestandsrückgang oder sichtbare Bedrohungen für diese Art. Allerdings gibt es auch noch keine globalen Populationszahlen.

Der Klimawandel, die Abholzung von Wäldern und weitere Faktoren bedrohen den Bestand dieses besonderen Kolibris. Diese schädlichen Einflüsse führen hauptsächlich zu einem Verlust des Lebensraums und einer Verringerung der Nahrungsquellen, insbesondere der Passionsblumenpflanzen.

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