Biologische Schädlingsbekämpfung mit räuberischen Insekten

Landwirte, Viehzüchter und Tierärzte müssen sich häufig mit den verheerenden Auswirkungen von Schädlingen auseinandersetzen. Eine der größten Entdeckungen der letzten Jahre war die Wirksamkeit des Einsatzes von räuberischen Insekten zur biologischen Schädlingsbekämpfung.
Biologische Schädlingsbekämpfung mit räuberischen Insekten

Letzte Aktualisierung: 24 Mai, 2021

Die Kamelshalsfliege (Raphidioptera) und die Florfliege (Chrysoptera) sind Insekten, die zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Die Menschen verwenden sie bereits seit Jahren in der wirtschaftlichen Insektenkunde und Vektorkontrolle.

Die Schädlingsbekämpfung ist ein wesentlicher Bestandteil der beruflichen Tätigkeit von Biologen, Tierärzten und Spezialisten auf dem Gebiet der Insektenkunde. Vor Jahrzehnten griffen sie ausschließlich auf die chemische Kontrolle und den Einsatz synthetischer Insektizide zurück. Aber deren negative Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt zeigten sich schon bald. Daher begannen die Forscher, nach alternativen Methoden zu suchen.

Eine davon ist die Schädlingsbekämpfung mittels räuberischer Lebewesen, die in deren Umwelt eingeführt werden. Wenn du mehr über diesen komplizierten Prozess erfahren möchtest, solltest du unbedingt weiterlesen!

Für die Schädlingsbekämpfung interessante Insekten

Im Folgenden werden wir dir die Kamelhalsfliege und die Florfliege vorstellen, einige interessante Insekten, die der Mensch als natürliche Schädlingsbekämpfer einsetzt.

Die Familie der Kamelhalsfliegen (Raphidioptera)

Raphidioptera ist gemeinhin als Kamelhalsfliege bekannt, da ihr Hals – eine Verlängerung ihres Brustkorbs – diesem Tier ähnelt. Es handelt sich um eine Ordnung holometallischer Insekten mit transparenten Flügeln, die von markanten Venenmustern durchzogen sind.

Ihre Larven leben unter der Rinde von Nadel-, Eukalyptus- und bestimmten Obstbäumen, wo sie viele Insekten verschlingen, die für Ökosysteme schädlich sind. Auch die erwachsenen Tiere sind räuberisch und tagsüber aktiv.

Raphidioptera ist gemeinhin als Kamelhalsfliege bekannt

Die Familie der Florfliegen (Chrysoptera)

Die Gattung Chrysoptera ist unter mehreren gebräuchliche Namen bekannt, die sich auf folgende Merkmale beziehen:

  • Die grüne Farbe erwachsener Tiere.
  • Die Tatsache, dass ihre Augen golden oder kupfergelb sind.
  • Die Namen können aber auch das Muster ihrer Flügel beschreiben.

Diese Insekten sind kosmopolitisch und bevorzugen Grünflächen. Ihre Larven fressen andere weichfleischige Gliederfüßer. Allerdings sind einige erwachsene Tiere im Gegensatz zur Ordnung der Raphidioptera nur nachts aktiv.

Die Gemeine Florfliege ist die Art aus dieser Gattung, die am häufigsten in Europa anzutreffen ist. Ihre Augen sind golden mit metallischen Reflexen. Aber sobald das Insekt stirbt, verblassen all seine Farben. Ein weiteres Beispiel ist die Riesenflorfliege, deren Flügelspannweite fünf Zentimeter erreichen kann. Darüber hinaus bevorzugt dieses Insekt Bäche oder Straßenkanäle.

Sowohl die Riesenflorfliege als auch die Gemeine Florfliege werden im Volksmund als “Stinkfliegen” bezeichnet. Das liegt an dem starken Geruch, den sie abgeben und der sie vor Vögeln und anderen Fressfeinden schützt.

Das Verhalten von Insekten, die zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden

Beide der oben genannten Gruppen sind Schädlingsbekämpfer und im Folgenden erklären wir dir den Grund hierfür.

Biologische Schädlingsbekämpfung

Die ökonomische oder angewandte Insektenkunde untersucht Insekten, die für den Menschen von Interesse sind, entweder durch die Produkte, die sie liefern, oder die Auswirkungen, die sie auf menschliche Güter haben. Die folgenden Insekten sind für derartige Studien von besonderem Interesse:

  • Bienen
  • Insekten, die Tierseuchen und Zoonosen übertragen (Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden)
  • Schädlinge
  • Insekten, die Schädlinge bekämpfen

Einige Kamelhalsfliegen und Florfliegen wurden bereits für Schädlingsbekämpfungsprogramme eingesetzt, da sie hauptsächlich generalistische Raubtiere sind. Dies war möglich durch die Einführung einer integrierten Schädlingsbekämpfung, bei der unter anderem die biologische Bekämpfung durch räuberische Tiere zum Einsatz kommt.

Die biologische Kontrolle ist also eine landwirtschaftliche Methode der Schädlingsbekämpfung, bei der lebende Organismen eingesetzt werden, die in irgendeiner Weise mit dem Organismus konkurrieren, der kontrolliert werden soll.

Raphidioptera und Chrysoptera: Ihre Mechanismen

Der Mensch produziert zunächst eine große Menge dieser Insekten und führt sie dann in die natürliche Umwelt ein, besonders in landwirtschaftliche Produktionsgebiete, die von Schädlingen befallen sind. Diese Insekten haben bereits Milben, Schmetterlinge, Wespen, Ameisen und Blattläuse erfolgreich bekämpft, um nur einige zu nennen.

Die Larven und auch die erwachsenen räuberischen Insekten ernähren sich von diesen anderen Gliederfüßlern, indem sie ihnen einen Verdauungssaft injizieren, welcher deren Körper verflüssigt und es ihnen ermöglicht, diesen aufzunehmen.

Die größte Herausforderung bei der massiven Produktion dieser räuberischen Insekten ist die Bekämpfung des Kannibalismus während des Larvenstadiums. Dies erfordert die Verwendung spezieller Substrate, die konkrete Gestaltung der Anlagen und die rechtzeitige Freisetzung in die betroffenen Ökosysteme.

Die Gemeine Florfliege ist die Art aus der Gattung, die am häufigsten in Europa anzutreffen ist

Die Nützlichkeit von Insekten zur Schädlingsbekämpfung

Der Einsatz dieser und anderer Insekten wie auch insektenfressender Vögel und anderer Tiere hat zahlreiche Vorteile bei der Bekämpfung von Schädlingen gezeigt. Denn sie tragen hauptsächlich dazu bei, die negativen Folgen der Anreicherung von Insektiziden in der natürlichen Umwelt zu vermeiden. Darüber hinaus verhindern sie das Auftreten dieser Substanzen in der Lebensmittel- und Wasserversorgung.

Produktionsversuche mit einer dieser Arten können auch eine Methode zur wirtschaftlichen und arbeitsbezogenen Diversifizierung in ländlichen Gebieten sein, in denen es Schädlinge gibt. Dies trägt zur Entwicklung des ländlichen Raums, zum Umweltschutz und vor allem zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bei.

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