Schwänzeltanz: Der Tanz der Bienen

15 Dezember, 2020
Den Schwänzeltanz, auch Tanz der Bienen genannt, nutzen diese Insekten, um Nahrung zu lokalisieren und mit ihren Artgenossen zu kommunizieren. Hier erfährst du alles Wissenswerte darüber!

Wie Honigbienen ihre Nahrung finden, ist eine Frage, die Naturforscher seit Jahrhunderten fasziniert. Denn für Ethologen ist es nach wie vor ein Rätsel, wie viele Tiere miteinander kommunizieren. Obwohl der Schwänzeltanz der Bienen schon sehr lange bekannt ist, wurde seine Bedeutung erst in den vergangenen Jahrzehnten entschlüsselt. Es handelt sich hierbei um ein komplexes Kommunikationssystem mittels verschiedener Körperbewegungen.

Bist du neugierig geworden? Dann lies einfach weiter, um mehr über dieses sonderbare und zugleich ausgeklügelte Verhalten zu erfahren!

Der Schwänzeltanz: Die geheime Sprache der Bienen

Honigbienen (Apis mellifera) sind Insekten, die eine komplexe soziale Struktur haben. Sie leben in Bienenstöcken und ernähren sich vom Nektar der Blumen in der Natur. Daher spielen sie eine Schlüsselrolle bei der Bestäubung von Ökosystemen und der Aufrechterhaltung der Flora.

Es ist bekannt, dass der Schwänzeltanz ein komplexes Kommunikationssystem ist, das die sogenannten Kundschafterinnen nutzen. Das sind jene Bienen, die ausfliegen, um Nahrungsquellen zu erkunden. Durch diesen Tanz übermitteln sie dem restlichen Bienenvolk Informationen über die Richtung und Entfernung der Blumen, die sie bei ihrer Suche gefunden haben. Sie tun dies durch eine Reihe von Bewegungen und durch das “Wackeln” ihres Körpers.

Der Tanz selbst basiert auf zwei Prinzipien: Angulation (Winkelbildung) und Dauer. Der mit dem Körper gebildete Winkel zeigt die Richtung der Nahrungsquelle in Relation zur Sonne an und die Dauer des Tanzes übermittelt die Information über die Entfernung. Im folgenden Abschnitt werden wir uns diese beiden Konzepte etwas genauer ansehen.

Schwänzeltanz - Zeichnung einer Biene

Arten von Bienentänzen

Im Grunde genommen gibt es zwei Arten von Bienentänzen: den Rundtanz und den Schwänzeltanz. Wenn sich die aufgespürte Futterquelle in einer Entfernung von weniger als 50 Metern von den Bienen befindet, führen die Kundschafterinnen einen Rundtanz auf. Die Dauer des Tanzes gibt den anderen Sammlerinnen an, wie weit die Futterquelle entfernt ist. Allerdings erfolgt dies ohne Richtungsangabe.

Der Schwänzeltanz findet statt, wenn die Kundschafterinnen eine Nahrungsquelle entdeckt haben, die mehr als 150 Meter vom Bienenstock entfernt ist. Die Biene, die diesen Tanz aufführt, fliegt zunächst in einer geraden Linie, kehrt dann in einer halbkreisförmigen Bewegung zum Ausgangspunkt zurück und führt dann eine entgegengesetzte und symmetrische Bewegung aus.

Während sie die zentrale Bewegung durchführt, vollführt der Hinterleib der Biene ein heftiges seitliches Vibrieren, das sogenannte “Schwänzeln”. Gleichzeitig stößt sie dabei einen niederfrequenten Ton aus. Die Strecke, die die Biene schwänzelnd zurücklegt, ist eine grobe Angabe darüber, in welcher Entfernung sich die ausgekundschafteten Blumen befinden.

Schwänzeltanz: Der Winkel markiert die Richtung

Wie du siehst, ist die Darstellung der Distanz, in welcher sich die Blumen befinden, ziemlich einfach. Allerdings ist es wesentlich komplexer zu verstehen, wie die Bienen die Richtung kommunizieren, in welcher sich die Nahrungsquelle befindet.

Die Bienen nutzen die Waben als eine Art Landkarte, anhand derer sie die Umgebung des Bienenstocks darstellen. Der Winkel, den die Biene dabei in Bezug auf den vertikalen Teil des Bienenstocks einnimmt, ist der Schlüssel. Wenn die Biene anzeigen möchte, dass sich die Blumen in Richtung Sonne befinden, wird sie den schwänzelnden Part des Tanzes in Richtung der Oberseite des Bienenstockes vollführen und umgekehrt.

Wenn sich die Futterquelle in einem bestimmten Winkel befindet, sagen wir beispielsweise 60 ° westlich der Sonne, dann bildet die Biene diesen Winkel zur Vertikalen. So können diese geflügelten Insekten die Richtung ihrer Nahrungsquelle anhand eines relativ komplexen Tanzes erkennen.

Die Erforschung dieses Mechanismus erforderte viel Geduld

Dieses System wurde vom österreichischen Ethologen Karl von Frisch entdeckt, einem anerkannten Honigbienen-Forscher, der seine Arbeit in den 1930er Jahren begann. Während des Dritten Reiches war es für ihn sehr schwierig, seine Forschungen fortzuführen, da er jüdische Vorfahren hatte.

Als dann aber viele Bienenstöcke in Bayern von einer schrecklichen Plage heimgesucht wurden, wurde er damit beauftragt, etwas dagegen zu unternehmen und dieses Bienensterben zu stoppen. So konnte er schließlich seine Studien fortsetzen. Nach erheblichen Anstrengungen gelang es ihm schließlich, diesen Mechanismus zu entschlüsseln. Im Jahr 1973 wurde er dafür mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

Können wir mit Bienen kommunizieren?

Jetzt, da du weißt, wie dieser Bienentanz funktioniert, können wir uns mit einigen Möglichkeiten beschäftigen, die sich dadurch eröffnen. Eine davon besteht darin, mit diesen intelligenten Lebewesen zu kommunizieren, indem man ihren Tanz imitiert und anschließend beobachtet, ob sie dazu in der Lage sind, ihn richtig zu deuten.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Harvard Universität begann, mit RoboBee zu arbeiten, einem kleinen Roboter, der wie ein Insekt geformt war.

Dieses Gerät ist aufgrund seiner geringen Größe und seiner Vielseitigkeit sehr nützlich und hilfreich bei der Erfassung von Umweltdaten. In diesem Fall wurde der kleine Roboter zur Analyse von Tierverhalten genutzt. RoboBee wurde in einen Bienenstock eingebracht, wo er dann den bekannten Bienentanz nachahmte.

Schwänzeltanz der Bienen - schematische Darstellung
Schematische Darstellung des Schwänzeltanzes

Wie von den Forschern erwartet, erschien eine Gruppe von Bienen genau an der Stelle, die RoboBee in seinem Schwänzeltanz angegeben hatte. Du siehst, dass wir durch Technologie noch viel mehr über Tiere lernen und sogar mit ihnen kommunizieren können.

https://es.wikipedia.org/wiki/Danza_de_la_abeja

https://es.wikipedia.org/wiki/Karl_von_Frisch

Frisch, K. V. (1950). Bees: their vision, chemical senses and language (No. QL568. A6 F62).