Anaplasmose und Babesiose und der Zusammenhang mit Rinder-Depression

28 März, 2021
Wenn du den Begriff „Rinder-Depression“ hörst, denkst du möglicherweise, dass es dabei um Stimmungsschwankungen bei Rindern geht. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ein kompliziertes Gesundheitsproblem.

Der Begriff „Rinder-Depression“ ist die umgangssprachliche Formulierung für eine Gruppe von Krankheiten, von der Rinder regelmäßig betroffen sind. Es handelt sich um ein Syndrom, das durch zwei sehr unterschiedliche Mikroorganismen verursacht wird: ein Bakterium (Anaplasmose) und einen Parasiten (Babesiose). Beide werden durch Insektenstiche übertragen. Daher handelt es sich um Vektorkrankheiten.

Die Symptome bewirken, dass das Tier dauerhaft apathisch und gleichgültig ist. Die Kühe verlieren aufgrund des allgemeinen Unwohlseins das Interesse an ihren Gefährten und der Umwelt um sie herum. Und das ist es, was diese Krankheit so schwierig macht; der Schlüssel ist daher der, zu erkennen, dass diese sogenannte Depression oder Traurigkeit ein pathologischer Zustand ist.

„Rinder-Depression“, ein Zustand, den wir nicht länger übersehen können

Der Begriff bezieht sich auf zwei Krankheiten, obwohl sie mehrere Merkmale gemeinsam haben. So beschreiben vor allem Landwirte, die über dieses Syndrom sprechen, zum einen die Anaplasmose und zum anderen die Babesiose bei Rindern. Sie werden durch folgende Erreger ausgelöst:

  • Gramnegative Bakterien (Anaplasma marginale)
  • Mikroskopische Parasiten der Gattung Babesia
Babesiose wird durch Vektoren übertragen

Die wachsende Bedeutung von vektorübertragenen Krankheiten

Die Häufigkeit vektorübertragener Krankheiten nimmt sowohl bei Tieren als auch bei Menschen stetig zu. Dies ist bei den meisten saisonalen Krankheiten der Fall, einschließlich solcher, die in den Anwendungsbereich dieser Leitlinien fallen.

Die Rinder-Depression wird durch Bisse von einem Arthropoden übertragen, der als gemeine Rinderzecke (Rhipicephalus microplus) bekannt ist. Es gibt aber auch Fälle, in denen andere blutsaugende Insekten – wie zum Beispiel Pferdebremsen oder Stechmücken – an der Übertragung beteiligt sind.

Wer leidet normalerweise an dieser „Rinder-Depression“?

Grundsätzlich können alle Rinderarten an dieser Krankheit leiden, aber die Schwere der Symptome hängt von verschiedenen Faktoren wie beispielsweise dem Alter des Tieres ab. Junge Kälber unter 12 Monaten machen häufig nur eine leichte Infektion mit geringer Sterblichkeit durch.

Andererseits können Tiere, die älter als 2 Jahre sind, unterschiedliche Sterblichkeitsraten zwischen 20 % und 50 % aufweisen. Daher ist die Krankheit bei Kälbern nicht sehr schwerwiegend, bei erwachsenen Rindern kann die Infektion jedoch sehr schwer verlaufen.

Die Symptome, die dieser bestimmten Krankheit ihren Namen geben

Kühe, die an Anaplasmose oder Babesiose leiden, zeigen keine sehr spezifischen Symptome auf. Vielmehr sind es die Symptome einer jeden schwächenden Krankheit: Fieber, Appetitlosigkeit, Niedergeschlagenheit oder Schwäche.

Bei laktierenden Kühen kommt es zu einem schnellen Abfall der Milchproduktion, der den Landwirt darauf aufmerksam macht, dass etwas nicht stimmt. Bei Rindern hingegen ist es schwierig, die Krankheit zu erkennen, bevor das betroffene Tier bereits stark geschwächt ist.

Der Grund für diese Symptome ist die Zerstörung der roten Blutkörperchen, wenn einer der oben genannten Mikroorganismen in sie eindringt. Dies führt zu einer hämolytischen Anämie – aufgrund der Zerstörung dieser Zellen – was zu einer ständigen Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Tieres führt.

Das ist der Grund, warum die Kühe traurig wirken: Ihre Ohren werden schlaff, ihre Gesichter sehen traurig aus und sie lösen sich langsam vom Rest der Gruppe.

Wie man eine Rinder-Depression diagnostiziert

Da es keine spezifischen Symptome gibt, ist eine Differentialdiagnose mit vielen anderen Rinderpathologien notwendig. Zum Beispiel mit Leptospirose, Botulismus oder Anthrax. Dennoch kann ein gewisser Verdacht bestehen, wenn Vektoren in der Herde beobachten werden können.

Der einzige klinische Beweis, der die Diagnose „Rinder-Depression“ bestätigt, ist die direkte Beobachtung der Mikroorganismen, die für die Krankheit verantwortlich sind. Mittels bestimmter Analysen ist es möglich, Babesia spp. oder Anaplasma spp. in den roten Blutkörperchen des kranken Tieres nachzuweisen.

Der letzte Schritt ist die Durchführung der entsprechenden serologischen Tests, um die Antigene oder das genetische Material des pathogenen Mikroorganismus zu identifizieren. Auf diese Weise ist es möglich, zweifelsfrei zwischen den beiden Erregern zu unterscheiden, um anschließend die erforderliche Behandlung einzuleiten.

Gibt es eine Behandlung für Anaplasmose und Babesiose bei Rindern?

Wie bei den meisten Infektionskrankheiten ist es möglich, die Symptome zu kontrollieren, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Dazu muss der Landwirt jedoch zunächst sicher wissen, welcher Organismus die Symptome bei dem Tier verursacht:

  • Zur Behandlung der Anaplasmose werden Tetracyclin-Antibiotika eingesetzt.
  • Für die spezifische Behandlung der Babesiose werden antiparasitäre Medikamente eingesetzt, die speziell gegen diese Protozoen wirken.

Das Problem bei beiden Pathologien ist, dass die Verschlechterung normalerweise irreversibel ist, wenn der Tierarzt die Diagnose nicht rechtzeitig stellt. Aus diesem Grund ist die beste Empfehlung zweifelsohne der Einsatz von Impfstoffen.

Impfung von Nutztieren gegen Anaplasmose und Babesiose

Tierärzte verwenden häufig Impfstoffe, die rote Blutkörperchen von Kühen enthalten, die mit einem Erreger infiziert sind, dessen Virulenz reduziert wurde. Diese werden jedes Jahr bei Rindern im Alter von 4 bis 10 Monaten angewendet, die aus Betrieben stammen, in denen es normalerweise klinische Fälle gibt.

Darüber hinaus ist es ratsam, Rinder zu impfen, die in zeckenfreien Gebieten geboren wurden und anschließend an an andere Orte gebracht werden, an denen Zecken vorkommen können. Bei erwachsenen Tieren ist die Impfung jedoch kontraindiziert, da sich die Virulenz umkehren kann. Daher verwenden Tierärzte den Impfstoff nur in ganz bestimmten Fällen und unter sehr gut kontrollierten Bedingungen.

Impfung von Nutztieren gegen Babesiose und Anaplasmose

Anaplasmose und Babesiose: Eine echte Herausforderung – nicht nur für die südamerikanische Viehzucht

Die Länder in den tropischen und subtropischen Gebieten Lateinamerikas sehen in dieser Krankheit eines der größten Hindernisse für den Erfolg in der Viehzucht. Die zahlreichen Verluste in der Milch- und Fleischproduktion, die hohen Kosten für die Behandlung der Rinder und die hohe Sterblichkeitsrate aufgrund der Rinder-Depression lassen den Landwirten keine Ruhe.

Aber aufgrund des Klimawandels breiten sich diese und andere Vektorerkrankungen nun auch zunehmend in den gemäßigten Regionen aus.