Übertragung des Coronavirus COVID-19: Ist das Chinesische Schuppentier dafür verantwortlich?

20 Mai, 2020
Stimmt es, dass das Chinesische Schuppentier für die Übertragung des Coronavirus COVID-19 verantwortlich ist? Und wenn ja, welche Auswirkungen hat dies auf den Umgang mit dieser Erkrankung? Wir werden diese und weitere Fragen in unserem heutigen Artikel beantworten.

Während wir diesen Artikel schreiben, erforschen Wissenschaftler, ob Schuppentiere oder andere Tierarten für die Übertragung des Coronavirus COVID-19 verantwortlich sind oder nicht. Außerdem solltest du wissen, dass Coronaviren in Veterinärkreisen seit Jahrzehnten bekannt sind.

Grundsätzlich infizieren Coronaviren Vögel und Säugetiere jeweils speziesspezifisch. Daher wissen wir bereits, dass es spezifische Corona-Virenstämme gibt, die Menschen, Hunde, Katzen, Nagetiere, Kaninchen, Frettchen, Kühe, Truthähne und Schweine infizieren.

Nachfolgend geben wir dir einen kurzen Überblick über das, was wir heute über COVID-19 wissen.

Coronaviren und Infektionen beim Menschen

Wissenschaftler haben die Coronaviren erstmals Ende der 1970er Jahre entdeckt. Seit dieser Zeit war die Existenz von vier Coronaviren-Stämmen bekannt, die Menschen infizieren können (HCoV). Diese Stämme verursachten leichte Infektionen wie beispielsweise Erkältungen.

Interessanterweise haben diese vier HCoV mit geringer Pathogenität auch Verbindungen zu den Coronaviren, die Tiere befallen. In einer Vielzahl von Studien wurden die heute verfügbaren Genom-Sequenzen analysiert. Diese Studien gehen davon aus, dass die nachfolgend aufgeführten Tierarten die natürlichen Wirte oder Reservoire dieser Virenstämme sind.

  • HCoV-HKU1: Nagetiere sind das natürliche Reservoir.
  • HCoV-NL63: Das natürliche Reservoir dieser Stämme sind Fledermäuse.
  • HCoV-OC43: In diesem Fall sind Nagetiere das natürliche Reservoir und Rinder sind Zwischenwirte.
  • HCoV-229E: Fledermäuse sind das natürliche Reservoir und Alpakas sind Zwischenwirte.
Übertragung des Coronavirus - COVID-19

Hoch pathogene Coronaviren für den Menschen

Bis in die Jahre 2002 und 2003 galten Coronaviren für Menschen als nicht hoch pathogen. Allerdings gab es zu dieser Zeit in der chinesischen Provinz Guandong einen Ausbruch des Coronavirus mit akutem respiratorischen Syndrom (SARS-CoV). Daraufhin verbreitete sich dieses Virus auf der ganzen Welt.

Darüber hinaus trat im Jahr 2012 ein weiteres hoch pathogenes Coronavirus in Saudi Arabien und anderen Ländern des Mittleren Ostens auf: das Mittlerer-Osten-Atemwegssyndrom (MERS-CoV). In beiden Fällen vermuteten Forscher, dass das Virus von Fledermäusen stammte. Darüber hinaus gab es Beweise dafür, dass nachfolgende Spezies Zwischenreservoirs dieser Viren sind:

  • SARS-CoV: Fledermäuse und Larvenroller, eine Schleichkatzenart (Paguma larvata)
  • MERS-CoV: Fledermäuse und Dromedare (einhöckrige Kamele)
  • COVID-19: Fledermäuse, Zwischenreservoir unbekannt

Aufgrund dieser beiden Präzedenzfälle haben Wissenschaftler die Hypothese aufgestellt, dass auch COVID-19 tierischen Ursprungs sein könnte. Tatsächlich hat die Analyse der Genom-Sequenzen ergeben, dass COVID-19 ebenfalls von Fledermäusen stammt. Allerdings ist das Zwischenreservoir bzw. der Zwischenwirt nach wie vor nicht bekannt.

Übertragung des Coronavirus - Schuppentier - Pangolin

Was bedeutet es, dass das Chinesische Schuppentier möglicherweise der Zwischenwirt für COVID-19 ist?

Normalerweise verbreiten sich Viren unter Tieren derselben Spezies. Allerdings kann es gelegentlich vorkommen, dass sich die Viren mit denen einer anderen Spezies kreuzen und neu formieren und dann auch bei anderen Spezies Krankheiten verursachen.

Es ist wichtig, dass du weißt, dass sich diese Viren hauptsächlich auf folgende zwei Arten von Tieren auf Menschen übertragen können:

  • Direkt von seinem natürlichen Wirt oder über seine Absonderungen, die mit dem Virus kontaminiert sind.
  • Über einen anderen Organismus, der als Zwischenwirt oder Reservoir fungiert.

Darüber hinaus wollen wir darauf hinweisen, dass die Gene der Viren in Segmente aufgeteilt sind. Daher ermöglicht dieses segmentierte Genom den Viren unterschiedlicher Spezies, sich zu vermischen und neu zu formieren, um so neue Viren zu bilden. In den meisten dieser Fälle infizieren die Viren zweier unterschiedlicher Spezies gleichzeitig dieselbe Person oder dasselbe Tier. Dieses Ereignis wird als Koinfektion oder Doppelinfektion bezeichnet.

Aufgrund dieses Vorgangs besitzt das neue Virus auch neue Eigenschaften. Es ist dann beispielsweise dazu in der Lage, auch Menschen zu infizieren und kann sich leicht von einem Menschen auf einen anderen übertragen, was schließlich zu einer Pandemie führt. Da die Struktur dieses Virus sehr neuartig ist, haben die meisten Menschen vermutlich keine oder nur sehr geringe Abwehrmechanismen gegen diese Infektion.

Ist das Chinesische Schuppentier für die Übertragung des Coronavirus verantwortlich?

Epidemiologische Studien haben ergeben, dass viele der ersten Patienten auf dem Großmarkt für Fisch und Meeresfrüchte in Wuhan auch mit Wildtieren in Kontakt gekommen sind. Dieser Ort ist der größte Fischmarkt in Zentralchina und es werden dort verschiedene Arten von Fledermäusen, Bisons, Schlangen, chinesischer Bambusratten, usw. angeboten.

Außerdem werden dort üblicherweise auch verschiedene Katzenarten, Stachelschweine, Hunde, Vögel und andere Nutztiere verkauft. Diese Märkte sind auch als “Wet Markets” bekannt. Der Name kommt daher, weil auf diesen Märkten traditionell lebendige oder erst kurz zuvor geschlachtete Tiere im Freien verkauft werden.

Aus diesem Grund ist es auch sehr einfach vorstellbar, dass das Blut und andere Körperflüssigkeiten, die von den unterschiedlichen dort angebotenen Tierarten stammen, eine außergewöhnliche Infektionsquelle darstellen.

Darüber hinaus ist die Tatsache erwähnenswert, dass sich das Chinesische Schuppentier nicht auf der Liste der auf diesem Markt angebotenen Tiere finden lässt. Der Grund hierfür ist der, dass der kommerzielle Handel mit diesem Tier illegal ist. Außerdem ist der Wuhan Fischgroßmarkt seit Januar 2020 auf Anordnung der Stadtverwaltung von Wuhan geschlossen.

Beweise, die die Annahme unterstützen, dass das Chinesische Schuppentier für die Übertragung des Coronavirus verantwortlich ist

Eine Gruppe nordamerikanischer Wissenschaftler machte in Bezug auf COVID-19 eine sehr wichtige Entdeckung. Sie identifizierten eine hohe Ähnlichkeit der Genomsequenzen von COVID-19 mit denen eines Coronavirus-Genoms, welches aus einer Schuppentier-Datenbank rekonstituiert wurde.

Darüber hinaus isolierte eine weitere Gruppe von Wissenschaftlern der Universität von Hongkong Viren aus dem Gewebe von Schuppentieren. Aufgrund ihrer Analysen der Sequenzen viraler Genome konnten sie die Existenz zweier neuer Coronaviren nachweisen. Diese Genome haben eine Ähnlichkeit mit COVID-19 von ungefähr 85,5 bis 92,4 Prozent.

Erst vor Kurzem haben Forscher in Guangzhou, China, die Vermutung geäußert, dass das Chinesische Schuppentier (Manis pentadactyla) wahrscheinlich der Zwischenwirt für das menschliche COVID-19 Virus ist. Sie stützen ihre Annahme auf die Entdeckung, dass das CoV bei Schuppentieren dem COVID-19 sehr ähnlich ist.

Diese Informationen stammen aus den Bekanntmachungen des Dekans der Chinesischen Landwirtschaftsuniversität in Peking. Allerdings wurde über seine Erklärungen bisher in keinem wissenschaftlichen Artikel berichtet. Daher ist es wichtig, diese Informationen momentan noch mit Vorsicht zu behandeln, da die genetischen Analysen noch nicht abgeschlossen sind.

Wenn das China-Schuppentier für die Übertragung des Coronavirus verantwortlich ist, wie genau erfolgte die Übertragung?

Das Chinesische Schuppentier ist das am meisten gehandelte Tier auf unserem Planeten. Dieses kleine Säugetier ist schwer zu fangen, nachtaktiv und hat eine schuppige Haut. Leider wird in der traditionellen chinesischen Medizin angenommen, dass verschiedene Teile seines Körpers heilende Eigenschaften besitzen.

Besonders seine Schuppen werden häufig für Behandlungen verwendet. Darüber hinaus kommen aber auch seine Feten, Knochen und Krallen zum Einsatz. Wenn dieses kleine Schuppentier für die Übertragung des Coronavirus verantwortlich ist, dann liegt dies an der Art und Weise, wie wir Menschen dieses Tier für unsere Zwecke nutzen.

Abschließende Bemerkungen

Das Auftreten von COVID-19 ist ein hervorragendes Beispiel für den engen Zusammenhang, der zwischen der Gesundheit von Tieren und Menschen, dem Zustand des Ökosystems und den menschlichen Gewohnheiten besteht.

Heute erkennen wir die Tatsache, dass viele Viren in natürlichen Reservoiren schon seit langer Zeit existieren. Außerdem verstehen wir, dass das menschliche Verhalten zu einem Großteil für die fortschreitende Übertragung von Viren von ihren natürlichen Wirten auf Menschen und andere Tiere verantwortlich ist. Dazu gehören auch die modernen landwirtschaftlichen Methoden und die Urbanisierung.

Daher stellt die Aufrechterhaltung der Grenzen zwischen natürlichen Reservoiren und der menschlichen Gesellschaft den wirksamsten Weg zur Vorbeugung viraler Zoonosen dar.

Wenn das China-Schuppentier wirklich für die Übertragung des Coronavirus verantwortlich ist, dann erfordert der Umgang mit diesen Tieren erhebliche Vorsichtsmaßnahmen. Daher sollte der kommerzielle Handel mit ihnen in China und auch im Rest der Welt strengstens untersagt werden.

*Wichtige Anmerkung: Am 24. Februar 2020 wurde bekannt, dass das chinesische Schuppentier nicht für die Übertragung des Coronavirus verantwortlich ist.

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